Home Nach oben Feedback

Frühgeborene                                                                                                                                                                                                                  Prädikat „Ausgewählter Ort 2011“  Projektmarke „365 Orte im Land der Ideen."       

 

Home
Nach oben

vorgestellt und kommentiert von Frederick Lenzen und Tim Schmitz

 

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 770 000 Kinder geboren. Davon sind 50 000 Frühgeborene, die weniger als 2500 Gramm wiegen. Die meisten haben eine Überlebenschance von über 95 Prozent. Rund 12000 Geburten sind jedoch extrem unreife Frühgeborene, die weniger als 1500 Gramm wiegen. Die Überlebenschancen dieser Frühgeborenen sind abhängig vom Zustand der Kinder und liegen im Durchschnitt heute zwischen 70 und 80 Prozent. Doch die Möglichkeiten einer noch sichereren Behandlung sowohl aus medizinischer als auch aus ethischer Sicht sind weit gehend erschöpft

Als Beispiel für die extremen Frühgeburten nimmt man am besten Hamburg, wo rund 500 Kinder jährlich zu früh zur Welt kommen und das mit einem Gewicht unter 1500 Gramm. Diese Kinder sind zum Teil sogar nur so groß wie die Hand eines erwachsenen Mannes.

Doch hat die Medizin mittlerweile gewaltige Fortschritte gemacht und die Mittel sind fast ausgenutzt.

"Noch vor 10 Jahren hätte ein Baby, das in der 25. Schwangerschaftswoche mit einem Gewicht von 600 Gramm geboren wurde, so gut wie keine Chance gehabt, am Leben zu bleiben. Heute liegt die Überlebenschance bei etwa 60 Prozent. Von diesen Kindern ist später etwa ein Viertel behindert" ([Strobel 1988], S. 131).

So ist es heute zu festen Zielen gekommen, die bei Frühgeborenen gesetzt werden:

1.gute, spontane Entwicklung,

2.aufholbare Entwicklungsrückstände, die überwiegend in der Bewegungsabwicklung auftreten,

3.kleinere neurologische Abweichungen und/oder leichte Lernbehinderungen (minor handicap),

4.schwere zentralnervöse Störungen im Sinne von Behinderungen mit einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Lebensführung (major handicap).

 

Geschichte

Im letzten Jahrhundert war ein zu früh geborenes oder untergewichtiges Kind für die Geburtshilfe sehr problematisch, da die Kinder sehr rasch starben. Langsam kam die Meinung auf, dass diese Säuglinge nicht an einer Erkrankung litten, sondern unfähig waren, ein selbständiges Leben zu führen aufgrund der unzureichenden Bildung des Körpers .

Es gab die ersten Apparaturen zur Verbesserung der Lebenserwartung der benachteiligten Kinder. 1835 entwickelte V. RÜHL den ersten "Inkubator". In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellten bekannte französische Anatome und Pathalogen wie DENIS, BILLARD und CRUVEILHEIR unter anderem bei verstorbenen Frühgeborenen in der Schädelhöhle Blutungen fest. 1862 zeigte der englische Chirurg LITTLE Zusammenhänge zwischen schwerer bzw. traumatischer Geburt, Asphyxie (Atemstillstand bei Neugeborenen durch unterschiedliche Ursachen), sowie Frühgeburt (Unreife) und der Spastik auf. Diese Theorie wurde erst im 20. Jahrhundert bestätigt. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Säuglingssterblichkeit zunächst immer noch sehr hoch, da die Methoden noch nicht bekannt waren. Im Jahre 1909 wurde erstmals, mit der Unterstützung der Kaiserin Auguste Victoria, in Berlin eine Anstalt zur Bewältigung der Säuglingssterblichkeit im deutschen Reich gegründet. YLPPOE veröffentlichte als erster Zahlen, die feststellen ließen, dass das Risiko von Krankheiten bei Frühgeburten unter 1500 g höher ist. Während der Kriegsjahre wurden nur geringe therapeutische Fortschritte erreicht. Die einzige Innovation bedeutete Ende der 30er Jahre der Einsatz erster Beatmungsgeräte (Dräger-Baby-Pulmotor) in Amerika, Schweden und Deutschland. Ende des 2. Weltkrieges gab es viele neue therapeutische Maßnahmen, die eher Versuche waren und dementsprechend zum Teil ausfielen. In den 80er Jahren war ein ständiger Anstieg gesunder, überlebender Frühgeborener zu verzeichnen, da sich medizinisch einiges getan hatte, auch auf der Betreuungsebene der Eltern.

 

Wie kommt es zu Frühgeburten?

Es ist noch nicht vollständig erforscht wie es zu Frühgeburten kommt. Das kann z.B. daran liegen, dass sich das Kind nicht im normalen Ablauf entwickelt oder es durch Medikamente geschädigt wird. Auch bestehen folgende Möglichkeiten, warum es zu einer Frühgeburt kommt:

Wenn es schon eine oder mehrere Frühgeburten gab,

wenn es schon zwei oder mehrere Schwangerschaftsabbrüche gab,

wenn es bereits eine Scheideninfektion gab,

wenn Mehrlinsgeburten erwartet werden,

wenn die Fruchtwassermenge stark erhöht ist,

wenn die Frau unter besonderen Belastungen steht, sei es beruflich oder privat, körperlich oder seelisch,

wenn die Schwangere raucht.

Vorzeichen einer Frühgeburt:

Wiederholte Messung (mit Testhandschuh) eines Scheiden - pH-Wertes von 4,7 oder höher,

Schmierblutungen,

übelriechender oder stark vermehrter Ausfluss,

Auffallend häufiges Wasserlassen oder Brennen beim Wasserlassen,

Juckreiz oder Brennen in der Scheide oder im äußeren Intimbereich,

Fieber und/oder Durchfall,

Vorzeitige Wehen,

Stärkere menstruationsähnliche Beschwerden,

Ziehen in den Leistenbeugen oder im Kreuz,

vorübergehendes, wiederholtes Hartwerden des Unterbauches.

Zusammenfassend kann man sagen, dass also von beiden, der Mutter und dem Kind, eine Frühgeburt ausgelöst und beeinflusst werden kann.

Was ist das Problem bei Frühgeburten?

Dadurch, dass die Frühgeburten zum Teil schon bis zu 13 Wochen zu früh auf die Welt kommen, geht ihnen Zeit verloren, die sie zum Wachstum brauchen. So geht die direkte Versorgung mit der Mutter verloren und das Kind muss auch in seinem geschwächten Zustand, der bei nur 500g liegen kann, versuchen zu überleben. Seine Organe sind zum großen Teil noch nicht auf diese Lage vorbereitet und noch nicht stark genug selbst zu arbeiten. So muss die Lunge in ihrem Zustand, wo sie noch im Wachstum steckt, schon anfangen das ganze Kind mit Sauerstoff zu ernähren.

Auch sind Frühgeburten sehr mager ,da sie noch kein Unterhautfettgewebe haben. Zudem ist die Probportionierung der Körpergröße unregelmäßig. Der Kopf ist 1/3 des ganzen Körpers.

Auch gibt es Probleme mit dem Darm, da dieser in den meisten Fällen noch nicht ganz ausgebildet ist.

Das Kind muss also in den ersten Tagen zunehmen und so lange durch Maschinen versorgt werden, bis es in der Lage ist für sich selbst zu „sorgen". Erfahrungsgemäß kann dies dauern, da die Kinder häufig Krankheiten bekommen und in den ersten 8- 14 Tagen noch abnehmen. Erst danach fangen sie an zuzunehmen.

Das Problem ist also grob gesagt die noch nicht fertig abgeschlossene Entwicklung um alleine für die lebensnotwendigen Körperfunktionen zu sorgen und das mangelnde Gewicht, was sich negativ auf die lebenswichtigen Funktionen auswirkt.

Behandlung im Mutterleib

Es gibt die Möglichkeit schon im Mutterleib zu behandeln, sei es durch Medikamente, die die Wehen verzögern, oder durch ein Band, das angebracht wird, um die Weitung der Gebärmutteröffnung zu verhindern. Auch das Kind selber kann schon im Mutterleib behandelt werden zum Beispiel, wenn die Blutgruppe von der Mutter und dem Kind sich nicht mit einander vertragen, dann kann schon im Mutterleib eine Bluttransfusion durchgeführt werden. In Amerika gibt es auch schon ganze Operationen, die an dem Baby im Mutterleib durchgeführt werden.

 

Heutzutage ist man in der Lage die Frühgeborenen durch verschiedene Therapiemöglichkeiten am Leben zu halten und ihr Leben zu sichern. Man kann Kinder wiederbeleben, künstlich beatmen, künstlich ernähren , sie langsam ans Licht gewöhnen, durch verschiedene Therapien, Atemtherapie, beim Hören helfen, Krankengymnastik, dem Kind Sicherheit geben durch Haut-Zug-Haut-Kontakt, an einen Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnen.

 

Zukunft

Für die Zukunft wäre vorzustellen, dass man es schafft, die genauen Ursachen der Frühgeburt heraus zu finden. Auf Grund dieser Ergebnisse müsste man die ideale Problemlösung erstellen. Es wäre sehr erfreulich, wenn man komplett in der Lage wäre eine Frühgeburt zu verhindern und die Kinder wie ganz normale auf die Welt kommen. Wenn diese Methode gefunden würde, dann wäre das Optimum erreicht und es gäbe keine Frühgeburten. Doch ist diese Methode noch lange nicht in Sicht. Man ist zwar in der Lage Frühgeburten sehr gut zu helfen, doch fehlt eigentlich noch die Erforschung einer Verhinderung von Frühgeburten.

 

Eigene Meinung

Meine Meinung ist es, dass fast alles getan werden sollte, um den Kindern zu helfen. Die Entwicklung der Medizin ist eigentlich nur zu bejahen und man müsste eigentlich froh sein, dass man jedes Jahr durch Maschinen und Medikamenten Kindern dass Leben rettet.

Jedoch muss man auch die Wendeseite sehen. Es ist nicht leicht für die Eltern und auch für das Kind. Nach einer Frühgeburt ist die Mutter stark geschwächt und auch der Vater hängt vollkommen fertig zwischen seinem Kind und und seiner Frau. Der Stress und die ganze Situation müssen extrem anstrengend sein (An dieser Stelle sollte man einmal erwähnen, dass diese Eltern unter dem extremsten Geburtsstress stehen. In dieser Lage unterstützen die Eltern meistens Ärzte und auch Initiativen, die unter anderem aus Eltern bestehen, die selber eine Frühgeburt hinter sich haben). Angenommen der Zustand des Kindes verbessert sich nicht, so ist die Frage nachher für die Eltern und den Arzt, ob man das Kind noch am Leben erhalten soll oder ob man dem Kind die Chance auf ein Leben verweigert. Die Eltern und der Arzt müssen also Gott spielen und entscheiden was für das Kind am besten ist. Diese Situation kommt erst dadurch auf, dass man in der Medizin schon Fortschritte gemacht hat, doch dass man noch nicht das ethisch zu vertretene Maximum erreicht hat. Doch ist es allgemein gesehen schon gut, dass die Medizin so weit gekommen ist und vielen Frühgeborenen dadurch helfen kann und sie am Leben erhalten kann.

 

Literatur

HAAS, G. 1983. Entwicklung und Schicksal Frühgeborener -- damals und heute.

MüLLER-RIECKMANN, EDITH. 1993. Das frühgeborene Kind in seiner Entwicklung -- Eine Elternberatung. München, Basel: E. Reinhardt Verlag

STROBEL, KORNELIA. 1988. Frühgeborene brauchen Liebe -- Was Eltern für ihr "Frühchen" tun können. München: Kösel Verlag GmbH.

FRöHLICH, ANDREAS. 1997. Zu früh für diese Welt? Zeitschrift für Heilpädagogik

HAAS, G. 1983. Entwicklung und Schicksal Frühgeborener -- damals und heute. Monatsschr. Kinderheilkd.,

 

Senden Sie eine E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu diesem Thema an: post@adenauer-gymnasium.de
Stand: 10. Februar 2012